Der Bologna Prozeß: Bachelor- und Masterabschlüsse
Bachelorstudium
Ziel der Einführung eines Bachelor-Abschlusses in Europa war neben der Vereinheitlichung innerhalb der EU und einer kürzeren Studiendauer auch ein stärkerer Praxisbezug des Studiums.
Ein Bachelor-Studiengang hat an bayerischen Fachhochschulen in der Regel eine Regelstudienzeit von sieben Semestern. Der Bachelor ist der niedrigste akademische Grad und der erste berufsqualifizierende Abschluss eines mehrstufigen Studienmodells. Der Bachelor-Abschluss ist aber auch Qualifikationsnachweis für ein anschließendes Masterstudium. Durch ein Masterstudium kann entweder das Studienfach fortgeführt und vertieft bzw. im fachlichen Zusammenhang fachübergreifend erweitert werden („konsekutiv“) oder eine fachliche Umorientierung erfolgen mit dem Wechsel in einen Masterstudiengang, der nicht auf das bisherige Studium aufbaut („nicht-konsekutiv“).
Nach dem verbreiteten European Credit Transfer System (ECTS) sind bei sieben Semestern 210 Leistungspunkte (credit points) zu erwerben. In Vollzeitstudiengängen umfasst ein Semester 30 Punkte; ein Punkt Arbeitsbelastung entspricht 25 bis 30 Stunden. Dies ergibt rechnerisch eine durchschnittliche Arbeitsbelastung von ca. 40 Stunden in der Woche bei sechs Wochen Urlaub im Jahr. Zu der Arbeitsbelastung zählt die gesamte Zeit, die vom Studenten für das Studium aufgewendet werden muss (also z. B. die Zeit für Vorlesungen, Seminare und Prüfungen, sowie die Zeit für deren Vor- und Nachbereitung).
Leistungspunktesystem
Leistungspunkte (auch Credits) sind im akademischen Leben Einheitsgrößen, die man nach erbrachter Leistung erwirbt. Sie werden für erfolgreich besuchte Lehrveranstaltungen oder Tätigkeiten erworben. Die Studien- und Prüfungsordnung weist für jedes Modul die erhältlichen Credits aus. Je höher der Arbeitsaufwand eines Kurses ist, desto mehr Leistungspunkte werden vergeben. Das Leistungspunktesystem sind somit ebenso fester Bestand des Bologna-Prozesses.
Mehr Informationen auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Modularisierung
Die Lehrveranstaltungen in Bachelor-Studiengängen sind durch Module strukturiert. Ein Modul fasst eine oder mehrere Lehrveranstaltungen mit einem Lernziel zusammen und ist die Einheit, für die Leistungspunkte vergeben werden. Durch den Bachelor-Abschluss wird die Vereinheitlichung der Studienabschlüsse in Europa und damit eine bessere internationale Vergleichbarkeit angestrebt.
Mehr Informationen auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Akkreditierung
Bei der Einführung von Master- und Bachelorabschlüsse gibt es detaillierte Vorgaben der Länder im Rahmen des Bologna-Prozesses, die insbesondere durch die Akkreditierung der Studiengänge gewährleistet werden, die durch Akkreditierungsagenturen durchgeführt wird. Durch diese externe Prüfung der Studiengänge soll sowohl die formale Kompatibilität zum Bachelor-System, als auch die Qualität der Lehre, des Lehrkörpers und der Studieninhalte geprüft werden. Bei den Akkreditierungsagenturen handelt es sich um Vereine, die wiederum vom zentralen Akkreditierungsrat akkreditiert werden. Die Akkreditierung wird meist erst nach Einführung eines neuen Studiengangs begonnen.
Masterstudium
Der Master ist ein akademischer Grad, den Hochschulabsolventen als Abschluss einer zweiten wissenschaftlichen Ausbildung erlangen. In vielen Ländern Europas wurden Abschlussbezeichnung und Studienstruktur im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführt, dessen Ziel die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums ist. Studienvoraussetzung ist ein Bachelor-Abschluss oder vergleichbar. Je nach Ausrichtung kann ein Masterstudiengang der wissenschaftlichen Vertiefung des vorherigen Studiums oder der Erschließung neuer Wissensgebiete dienen. Viele Masterstudiengänge sind zulassungsbeschränkt. Der Master verleiht dieselben Berechtigungen wie die bisherigen Diplom- und Magisterabschlüsse der Universitäten.
Der Masterstudiengang ist ein Studium, das zur wissenschaftlichen Arbeit und Methodik befähigen soll, theoretisch-analytische Fähigkeiten vermittelt und die Absolventen in die Lage versetzen soll, sich offen und kreativ auf neue Bedingungen im Berufsleben einzustellen. Der Masterabschluss ist berufsqualifizierend und berechtigt in Anlehnung an die jeweils gültige Promotionsordnung der ausbildenden Universität nicht selten zur anschließenden Promotion.
In Deutschland gibt es konsekutive, nicht-konsekutive und weiterbildende Masterstudiengänge:
- Ein konsekutiver Masterstudiengang baut auf einem speziellen Bachelorstudiengang auf. Er kann den Bachelorstudiengang fachlich fortführen und vertiefen oder – soweit der fachliche Zusammenhang gewahrt bleibt – fachübergreifend erweitern.
- Weiterbildende Studiengänge ähneln den nicht-konsekutiven Studiengängen und setzen zudem eine qualifizierte berufspraktische Erfahrung voraus.
Bei einem konsekutiven Studiengang soll die Gesamtregelstudienzeit -einschliesslich Bachelorstudium- auf 5 Jahre konzipiert sein, was einem gesamten Arbeitsaufwand von 300 ECTS-Punkten entspricht.
Masterabschlüsse von Fachhochschulen sind den universitären Masterabschlüssen gleichgestellt!
(Link zur Internetseite des Bayer. Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst; Pressemitteilung vom 19. Mai 2009)
Weitere interessante Links:
Informationen der Hochschulrektorenkonferenz zum Master- und Bachelorstudium (Link Bologna Reader: Beinhaltet die wichtigsten Informationen zur Einführung der Master- und Bachelorabschlüsse)
Master und Bachelor: Neue Abschlüsse, bessere Chancen...
(Link zur Internetseite des Bayer. Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst)



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